Die Menstruation ist ein Thema, das nicht nur öffentlich, konstruktiv und ohne Scheu besprochen werden sollte — der Austausch darüber kann unglaublich spannend und bereichernd sein.

Erfreulicherweise ist das Wort „Menstruation" längst kein Tabu mehr, und auch „Periode" ist ein ganz normales Wort, das man laut aussprechen darf. Menstruationsbeschwerden lassen sich schnell googeln, und die Hersteller bieten eine riesige Auswahl an Hygieneprodukten. Sollten wir also überhaupt noch über die Menstruation reden? Warum das Thema neu überdenken?
Weil dieser Themenbereich weit über weibliche Physiologie, Hygiene und kleine Alltagstricks hinausgeht. Bei der Menstruation geht es um das Verstehen und Akzeptieren des eigenen Körpers, um Lebensmanagement und Gesundheitsvorsorge. Und wenn wir über die Periode sprechen, sprechen wir auch über Solidarität.
Menschen weltweit verbindet das Phänomen der Menstruation — völlig verschiedene Menschen, die in ganz unterschiedlichen Welten leben.
Obwohl so viele Frauen mit einer regelmäßigen Menstruation leben, wird sie in der Öffentlichkeit selten tiefgehend diskutiert. Dadurch entsteht oft der Eindruck, es gäbe gar kein Problem und somit auch keinen Gesprächsbedarf.
Es mag kein globales Dauerthema in den Nachrichten sein, aber hinter dem kollektiven Schweigen verbergen sich nicht nur peinliche Missverständnisse, sondern auch ungeplante Ausgaben, Schamgefühle, Diskriminierung und im schlimmsten Fall sogar Kriminalität.
Die Menstruation kostet Ressourcen: Zeit, Geld und emotionale Kraft. Es ist ein Irrglaube, dass die Periode das reine Privatproblem der einzelnen Frau ist.
Jede menstruierende Frau hat besondere Bedürfnisse, die in allen Lebensbereichen berücksichtigt werden sollten:
Wenn wir die Bedürfnisse unserer Kolleginnen, Nachbarinnen, Schwestern und Partnerinnen kennen und respektieren, können wir eine empathischere und glücklichere Gesellschaft aufbauen.
Dabei reicht es nicht zu wissen, dass Frauen eben menstruieren. Es ist wichtig zu verstehen, wie individuell und unterschiedlich jede Periode verläuft. Wenn Sie wissen, wie genau die Periode Ihrer Freundin abläuft, wie sich Ihre Kollegin an diesen Tagen fühlt, wie viele Schmerzmittel Ihre Schwester am ersten Zyklustag braucht oder in welchem Alter bei Ihrer Mutter die eingesetzt hat, können Sie auch Ihre eigenen Tage viel objektiver beurteilen.
Für Fachleute in der Gynäkologie ist völlig klar: Wenn die Menstruation so stark ist, dass herkömmliche Hygieneartikel nicht ausreichen und man auf Behelfsmittel wie Bettlaken zurückgreifen muss, ist das ein medizinisches Warnzeichen.
Doch mangels Aufklärung wissen viele Frauen schlichtweg nicht, was „normal" ist. Das führt zu zwei Extremen. Auf der einen Seite ignorieren Betroffene massive Beschwerden, gehen wegen chronischer Erschöpfung zum Hausarzt und tun Fragen zur Periode ab mit: „Das war bei mir schon immer so." Auf der anderen Seite führt das fehlende Wissen dazu, dass völlig gesunde, natürliche Signale des Körpers mit Angst und Misstrauen wahrgenommen werden – obwohl die Periode eigentlich ein Zeichen von Gesundheit ist.
Man kann jede dieser Frauen absolut verstehen. Denn woher soll man wissen,
… wenn niemand offen über „die Tage" spricht? Schweigen führt zu Unwissenheit, Unwissenheit zu Missverständnissen und Missverständnisse zu Angst.
Wenn wir offen und ganz alltäglich über die Menstruation reden, holen wir sie aus dem rein medizinischen Kontext heraus und öffnen die verschlossenen Türen der Arztpraxen.
Die Menstruation ist keine Krankheit, sondern ein wunderbares Thema für ein ganz entspanntes Gespräch beim Mittagessen.

Je mehr wir das Thema enttabuisieren, desto mehr profitiert jede von uns. Allen voran profitiert unser Wissen. Die Periode besteht ja nicht nur aus comicartigen fünf blutigen Tagen im Monat. Sie ist das Finale des – einer Kette faszinierender und komplexer Vorgänge, an denen nicht nur die Gebärmutter und die Eierstöcke, sondern vor allem das Gehirn beteiligt sind.
Wer das Wesen der Menstruation versteht, begreift die physiologischen Prozesse im eigenen Körper viel besser. Sie kann sich bei oder gezielt selbst helfen, spricht unbefangener mit ihrer Ärztin über Verhütung und begegnet ihrem Gynäkologen als gleichwertige Partnerin auf Augenhöhe.
In einer idealen Welt, in der Mädchen und Jungen den gleichen Zugang zu verlässlichen Informationen haben, gibt es keine Scham wegen einer durchgesickerten Binde oder der Notwendigkeit, den Sportunterricht ausfallen zu lassen.
In dieser Welt stehen Frauen nicht unter dem Druck, ihrem Arzt erst beweisen zu müssen, dass ihre Schmerzen real sind – und kein junges Mädchen muss sexuelle Gefälligkeiten erbringen, um Zugang zu Binden oder Tampons zu erhalten.
Warum sollten wir noch über die Menstruation reden? Das monatliche Abstoßen und anschließende Aufbauen der Gebärmutterschleimhaut — des — ist ein einzigartiges Beispiel für die Fähigkeit des Körpers, geschädigtes Gewebe schnell und narbenfrei zu regenerieren.
Mit der Erforschung von Krankheiten des Endometriums setzen wir wichtige Impulse für die Wissenschaft. Viele medizinische Probleme, die mit schlechter Gewebeheilung zu tun haben – ein Herzinfarkt ist das einfachste Beispiel – lassen sich durch die Linse der Endometrium-Forschung völlig neu betrachten.
Dieses Feld ist riesig und verdient einen eigenen Beitrag – der ganz sicher noch in unserem Blog erscheinen wird. Wer jetzt schon tiefer einsteigen möchte:
Indem wir die Menstruation als einzigartiges biologisches Phänomen beleuchten, erweitern wir die Horizonte der von morgen.